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Divertikulose Information

Was ist das für eine Erkrankung?

Unter Divertikulose (Divertikulitis) versteht man umschriebene Ausstülpungen von Darmwandschichten, welche vornehmlich im Dickdarm vorkommen. Am häufigsten finde man Divertikel im sog. Kolon sigmoideum, dem untersten Dickdarmabschnitt, der im linken Unterbauch lokalisiert ist.
Als Ursache für die Bildung von Divertikel, die an den Schwachstellen der Darmwand – den Eintrittstellen der Gefäße – entstehen, werden ballaststoffarme Kost, gesteigerte Darmdrücke (wie z.B. bei Verstopfung) und altersbedingte Darmwandveränderungen angesehen. Die Divertikulose gehört zu einer der häufigsten Zivilisationskrankheiten in der westlichen Welt, bis zu 50% der Bevölkerung ist betroffen. Die Divertikulose verläuft in den meisten Fällen asymptomatisch, d.h. der Patienten ist beschwerdefrei und benötigt keine spezielle Therapie.

Etwa 10-20% aller Patienten entwickeln Beschwerden, die sich auf eine Entzündung eines Divertikels zurückführen lassen, der Divertikulitis. Typische Symptomatik ist der Schmerz im linken Unterbauch (linksseitigen Blinddarmentzündung), Fieber und die Leukozytose (erhöhte Zahl weißer Blutkörperchen). Dazu gehören Stuhlunregelmäßigkeiten, Verstopfung (Obstipation) oder schleimige Stühle, ev. mit Blutbeimengungen. Das entzündete Sigma lässt sich mitunter als walzenförmige verschiebliche Resistenz tasten.

Als Komplikation der Divertikulitis kommt es in etwa 10% zu einem Divertikeldurchbruch (der Perforation), der im gedeckten Zustand zum Abszess mit starken Schmerzen im linken Mittel- bis Unterbauch führt. Bei der selteneren freien Perforation kommt es zur Bauchfellentzündung (Peritonitis) mit schweren allgemein Symptomen, diffusen Bauchschmerzen bis zum septischen Schock.

Die Divertikelblutung ist bei Patienten über 60 Jahre die häufigste Form der unteren Magen-Darm- Blutung und geht meist mit einem großen Blutverlust einher. Dennoch sistieren 75% der Blutungen spontan, jeder 4.Patient erleidet jedoch mindestens eine erneute Blutung.

Nach der klinischen Untersuchung ist die Röntgenuntersuchung (ohne Kontrastmittel) des Bauchraumes wichtig, um einen etwaigen Durchbruch eines Divertikels oder einen Darmverschluss ausschließen zu können. Im weiteren erfolgen den Patienten nicht belastende Untersuchungsmethoden wie der Ultraschall (Sonographie) oder die Schichtaufnahme des Bauches (Computertomographie). Insbesondere die CT-Untersuchung erspart mittlerweile dem Patienten aufwendige und belastende Röntgenaufnahmen mit Kontrastmittel und bietet gleichzeitig eine wesentlich bessere Aussage über das Stadium der Divertikulitis und damit über die sinnvollste Therapie.

 

Wie sieht die Behandlung aus?

Die erstmalige, unkomplizierte Divertikelentzündungen wird konservativ behandelt, auch bei erstmaligen Divertikelblutungen ist je nach Schweregrad eine konservative Therapie angeraten. Die Therapie der Divertikulitis besteht in Nahrungskarenz oder ballaststoffarmer Kost, Schmerzmedikation und einer Antibiotikagabe. Bei leichteren Beschwerden ohne Komplikationen kann bei guter Kooperation des Patienten diese Therapie auch ambulant durchgeführt werden.

Die Divertikelblutung ist häufig eine Komplikation der nicht entzündlichen Divertikulose, die jedoch auch bei der Divertikulitis auftreten kann. Sie ist in 90% der Fälle konservativ beherrschbar und sistiert meist spontan. Andernfalls wird im Rahmen einer Darmspiegelung (Endoskopie) eine Unterspritzung der Blutungsstelle durchgeführt.

Bei immer wieder auftretenden Entzündungen mit Veränderungen des Darmes (z.B. Enge oder beginnender Verschluss) ist eine operative Therapie mit Entfernung des betroffenen Darmabschnittes erforderlich. Bei Risikopatienten und Patienten unter 40 Jahren sollte wegen des hohen Rezidivrisikos nach dem ersten Entzündungsschub die Resektion erfolgen. Bei gedeckter Perforation wird die Resektion sofort oder nach entsprechender Therapie im entzündungsfreien Intervall durchgeführt.

 

Welche operativen Verfahren gibt es?

Durch den Fortschritt in der operativen Therapie kann die Entfernung des divertikeltragenden Darmanteils, ähnlich wie bei der Gallenblasenentfernung, mittlerweile bei der Mehrzahl der Patienten minimal invasiv – laparoskopisch – durchgeführt werden. Dies bedeutet für den Patienten einen kürzeren stationären Aufenthalt, weniger Narben, weniger Schmerzen und weniger Verwachsungsbeschwerden.
Die laparoskopische Resektion des divertikeltragenden Darmteils erfolgt über 4 bis 5 kleine Hautschnitte, der Darm wird ohne künstlichen Ausgang wieder End zu End aneinandergenäht. Meist wird ein Kunststoffschlauch über einen dieser Hautschnitte zur Drainage des Wundsekrets eingelegt, der nach wenigen Tagen entfernt wird.

Im Notfall (freier Darmdurchbruch, Bauchfelloperation, Darmverschluss) besteht immer die Notwendigkeit (Indikation) zur Operation, in diesen Fällen wird fast immer die Operation durch einen Bauchschnitt nötig. Häufig muss in diesem Fall vorübergehend ein künstlicher Darmausgang angelegt werden, der jedoch nach einiger Zeit wieder zurückverlegt werden kann. Zudem besteht in einem solchen Fall eine akute Lebensgefahr, so dass gerade bei immer wieder auftretenden Divertikelentzündungen rechtzeitig über eine möglich Operation nachgedacht werden sollte.

Details zur Operation finden Sie hier.

 

Prim. Univ. Doz. Dr. Georg Rosanelli
Vorstand der Abteilung für Chirurgie