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Hyperhidrose Information

Was ist Hyperhidrose?

Bei der Hyperhidrose kommt es zu übermäßigem Schwitzen. Wissenschaftlich heißt das, dass es zu mehr als 100 mg Schweiß pro cm²/min. kommt. In der Praxis bedeutet dies so viel, dass der / die Betroffene unter einer zu hohen bzw. übertriebenen Schweißabsonderung leidet. Schon bei geringer Belastung kommt es zu einer unverhältnismäßig hohen Schweißausschüttung.

Was ist Schwitzen?

Schwitzen bedeutet absondern von Schweiß. Schweiß ist eine farb- und geruchlose Flüssigkeit, die von ekkrinen Schweißdrüsen in der Haut gebildet wird. Geregelt wird Schwitzen durch das sympathische Nervensystem, durch Abgabe von Schweiß wird die Köpertemperatur geregelt. Bei der Hyperhidrose kommt es zu ungeregelter und ungehemmter Schweißabsonderung.

 

Was sind die Ursachen?

Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Hyperhidrose. Bei der sekundären Hyperhidrose liegen bekannte Ursachen zu Grunde wie z.B. Diabetes mellitus, Schilddrüsenüberfunktion, Klimakterium bei Frauen, psychiatrische Leiden, Nebenwirkungen bei Medikamenteneinnahme.
Bei der primären Hyperhidrose ist die Ursache unbekannt. Es versagt allerdings dabei der körpereigene Regulationsmechanismus bzw. Thermostat.

 

Wie oft kommt die Hyperhidrose vor?

Ca. 1 – 3 % der Bevölkerung ist von diesem Krankheitsbild betroffen.

 

Wie äußert sich die Hyperhidrose?

Es gibt mehrere Formen der Hyperhidrose, das heißt, es können unterschiedliche Körperteile unterschiedlich betroffen sein.

Palmare Hyperhidrose: Damit bezeichnet man übermäßigen Handschweiß, das reicht von immer nassen, ja bis zu tropfenden Händen. Dies ist für die Betroffenen äußerst unangenehm und stellt eine hohe psychische Belastung dar. Schon allein das Händeschütteln ist für den Patienten ein unangenehmer Akt und kann dadurch soziale Kontakte negativ beeinflussen. Auch das Ausüben von gewissen Tätigkeiten kann durch die übertriebene Schweißsekretion der Hände unmöglich werden. Betroffen sind z.B. Friseurinnen oder auch Elektriker. Diese Form der Hyperhidrose ist besonders geeignet für die chirurgische Therapie der endoskopischen Sympathektomie.

Axilläre Hyperhidrose: Hier liegt übertriebenes Schwitzen in der Achselhöhle vor. Die immer nassen Achselflecken am Gewand werden von den Betroffenen als äußerst peinlich erachtet. Auch hier kann als Begleiterscheinung eine palmare Hyperhidrose vorliegen.

Craniofaciale Hyperhidrose: Vermehrtes Schwitzen im Gesichts- und Halsbereich. Auch hier können schon geringe Belastungen eine überschießende Schweißreaktion am Kopf auslösen und die Patienten dadurch negativ beeinflussen.

Plantare Hyperhidrose: Hier besteht übermäßiges Schwitzen an der Fußsohle, oftmals kombiniert mit einer palmaren Hyperhidrose, welche man dann palmaro-plantare Hyperhidrose nennt. Nicht selten wird dabei Schuhwerk innerhalb kurzer Zeit durch die übermäßige Schweißsekretion zerstört. Seltene Formen der Hyperhidrose sind die trunkuläre Hyperhidrose (Schwitzen am Rumpf) oder Schwitzen am Gesäß, in der Leistengegend oder anderen Körperstellen.

 

Auswirkung der Hyperhidrose?

Erste Symptome können bereits im Kindesalter bzw. in der Pubertät auftreten. Durch das übermäßige Schwitzen treten dann die ersten Probleme auf, z.B. durch nasses Schreibpapier und dadurch, dass manuelle Tätigkeiten schwierig bis unmöglich gemacht werden. Durch das Schwitzen wird aber nicht selten ein Gefühl der Scham erzeugt und Betroffene sind durch dieses Handicap evtl. psychosozial an den Rand gedrängt und leiden unter dieser Situation.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

In Abhängigkeit von der Art des Schwitzens und der betroffenen Körperregion gibt es mehrere unterschiedliche Therapiestrategien, diese reichen von einfachen konservativen Möglichkeiten bis hin zur chirurgischen Therapieoptionen.

 

Welche konservativen Therapiemöglichkeiten gibt es?

Bei der sekundären Hyperhidrose muss die Ursache bekämpft werden, das heißt ein Diabetes gehört dementsprechend eingestellt, eine Schilddrüsenüberfunktion dementsprechend behandelt.

Bei der primären Hyperhidrose gibt es folgende Therapiemaßnahmen:

  1. Antitranspirantien (Aluminiumsalze)
  2. Medikamente
  3. Iontophorese
  4. Botox

Ad1.: Etabliert haben sich die Aluminiumsalze, die auf die Haut aufgebracht werden. Diese verstopfen die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen. Verabreicht werden diese durch Sprays, Rollons Suspensionen etc.
Anwendungsgebiete: Vor allem die axilläre Hyperhidrose, aber auch die palmaroplantare Form.
Das Applizieren der Aluminiumsalze muss täglich 1 – 2x erfolgen.

Ad2.: Perorale applizierte Medikamente haben sich noch nicht etabliert bzw. haben noch keinen Stellenwert.

Ad3.: Die Iontophorese wird zum Einsatz gebracht, wenn Aluminiumsalze erfolglos sind. Betroffene Körperstellen werden mit Gleichstrom durchflossen. Eine Sitzung dauert ca. 15 – 20 Minuten und sollte alle 2 Wochen wiederholt werden. Auch hier werden durch den Strom die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen verengt.

Ad4.: Botox bzw. Botulinum-Toxin.
Botulinum-Toxin ist ein Nervengift, das von den Bakterien Clostridium difficile produziert wird. Botox wirkt an der Schweißzelle in der Form, sodass die Schweißabgabe verhindert wird. Botox wird mit unzähligen Infiltrationen in das betroffene Areal injiziert. Nachteile sind einerseits die hohen Kosten und andererseits die eingeschränkte Wirkungsdauer von nur max. 6 Monaten. Danach muss diese Therapie wiederholt werden.

 

Welche chirurgischen Maßnahmen gibt es?

Man kann Schweißdrüsen chirurgisch entfernen, speziell im Achselbereich, allerdings handelt es sich bei dieser sogenannten Schweißdrüsenkürettage oder Excision der Schweißdrüsen um komplikationsreiche und schmerzhafte Therapieformen, wobei auch Rezidive, also das Wiederauftreten der Beschwerden, häufig sind.

 

NEU: Endoskopische thoracale Sympathektomie (ETS)

Weitaus erfolgreicher, vor allem bei Palmar-Hyperhidrose ist die thorakoskopische Sympathektomie. Dabei wird in Vollnarkose gezielt ein Teil des Sympathikusgrenzstranges im Brustraum in endoskopischer Technik reseziert. Details dazu finden Sie hier.