Gedenkstunde zum Novemberpogrom 1938

Gemeinsame Gedenkstunde von Jüdischer Gemeinde und Elisabethinen in Graz für die Opfer des Novemberpogroms und von Verfolgung und Vernichtung

 

„Fülle des Friedens und Leben möge vom Himmel herab uns und ganz Israel zuteil werden, Amen!“ Das jüdische Trauergebet Kaddisch, das für Waisen gesprochen wird, biblische Psalmen und erschütternde Texte von Zeitzeug/innen prägten die Gedenkstunde im Foyer des Krankenhauses der Elisabethinen. Dieses Gedächtnis fand am Vorabend des 9. November nahe am 80. Jahrestag des Novemberpogroms statt, von dem auch Graz in schrecklicher Weise getroffen, und das von den Nazis verharmlosend als „Reichskristallnacht“ bezeichnet wurde.

 

Terror und Schande dieser Nacht als einer entscheidenden Wegmarke zum Holocaust unterstrich Hofrat Heinz Anderwald von der Jüdischen Gemeinde Graz, der gemeinsam mit dem Konvent der Elisabethinen die Gedenkstunde vorbereitet und getragen hat. Ein solches Gedächtnis fand zum ersten Mal gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde statt, was die Elisabethinen mit Freude und Dankbarkeit als ein großes Zeichen der Verbundenheit und als eine besondere Geste des Miteinander empfinden.

 

Generaloberin Mutter Bonaventura Holzmann betonte in ihrem Grußwort, das von Mutter Consolata Maderbacher vorgetragen wurde, die unaufgebbare Bedeutung des Erinnerns und der Wachsamkeit angesichts heutiger Bedrohungen der Humanität besonders durch Marginalisierung, Hass, Ausgrenzung und Krieg. Abwertung und Diskriminierung beginnen im alltäglichen unmittelbaren Umfeld, „da wo ich mich abwende, wenn ich einen Obdachlosen sehe, da wo ich nicht einschreite, wenn ein Arbeitskollege gemobbt wird, da wo ich denke ´mit dem oder der will ich nichts zu tun haben´ und ´die sind schlechtere Menschen und mit denen will ich nichts zu tun haben´“, so Mutter Bonaventura Holzmann.

 

Nach der Gedenkstunde, die live von Radio Maria übertragen wurde, wurde die Wanderausstellung „Darüber sprechen“ eröffnet, die Schicksale aus der NS-Zeit zeigt. Sie beruht auf Erfahrungen von Zeitzeug/innen und verbindet ihre Erzählungen mit Videointerviews, die mittels QR-Code und Link etwa über Smartphone oder Tablet angesehen werden können.

 

Die Wanderausstellung kann im Krankenhaus der Elisabethinen bis einschließlich 16. November besucht werden. Sie wird im heurigen Gedenkjahr in Graz im Rahmen der Kooperation „Erinnern/Vergessen“ von Caritas Akademie und Elisabethinen gezeigt, und war dabei in den Caritaseinrichtungen Paulinum, Megaphon-Café, Paul@paradise und HLW für Sozialmanagement zu sehen.

 

Fotos: Krankenhaus der Elisabethinen