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#wach sein

(c) Stephan Friesinger

Die Ordensgemeinschaften Österreich stellen ab 2019 unter dem Titel “einfach, gemeinsam, wach” ihr Lebensmodell vor. Den Anfang macht das Thema #wach. MMag. Dr. Christian Lagger, MBA, Geschäftsführer des Krankenhauses, hat seine persönlichen Gedanken dazu niedergeschrieben.

Auszüge aus diesen Gedanken sind in Ausgabe 5/2019 der Ordensnachrichten erschienen.

Was heißt „wach“ für mich?

Wach heißt zunächst Reduktion, es heißt Stille – innere und äußere – und es bedeutet Befreiung der Sinne. Das ist etwas Prinzipielles, damit man Ohren, Augen und Herz frei öffnen kann, um dann in einen Zustand möglicher Aufnahme zu gelangen. Reduzieren heißt für mich auch, die Möglichkeit zur Differenzierung zu haben. Was nehme ich auf und was nicht? Wach-Sein ist immer auch eine Option: wofür ist man wach, wofür ist man aufmerksam? Die entscheidende Frage dabei ist, ob man einen Fokus hat. Das hat auch mit Barmherzigkeit und Liebe zu tun. Benedikt XVI. hat in seiner Enzyklika „Deus caritas est“ geschrieben „Das Programm Jesu ist ein sehendes Herz“. Unser Motto ist ja „Schau hin und handle“. Und genau das ist wach eigentlich. Man muss sich die Frage stellen, wofür man eigentlich wach sein will. Das ist eine Haltung, eine Ausrichtung, ein Wille.

Wo gibt es Orte, wo das „wach“ sichtbar ist?

Für mich sind Orte, an denen ich das Wach-Sein spürbar machen kann, Orte in der Natur. Im Speziellen denke ich da an meine geschätzte Urlaubsalm im Osttiroler Defereggental auf 2.000 Meter Höhe. Dort ist auch kein Handy-Empfang. Das ist eine Reduktion. Leute fragen mich dann, was ich dort überhaupt mache. Aber das ist gar nicht die Frage. Die Frage ist, was die Natur mit mir macht. Etwas zuzulassen bedeutet auch Wach-Sein. An Orten der Stille wie eben in der Natur oder auch in Kirchen und Klöstern wird das Wach-Sein und diese Reduktion überhaupt erst ermöglicht.

An welchen Personen wird das „wach“ wahrnehmbar?

Das sind schon Vorbilder aus der Vergangenheit. Wie die Hl. Elisabeth, der Hl. Franziskus, Ignatius von Loyola. Die Ordensgründer und Heiligen, die ja auch in diesem Modus des in-Liebe-wach-Sein waren, sind alles Menschen, an denen das wahrnehmbar ist. Aber wache Menschen sind auch Menschen, die sich für etwas einsetzen. Das sind Menschen, die Not wahrnehmen, aber auch das Schöne und Gute im Leben. Diese Menschen gibt es auch vielfach in unserer Gesellschaft. Ich nehme das auch wahr, wenn ich in der Straßenbahn fahre und ein junger Mensch für einen älteren Menschen aufsteht. Auch bei Fridays for Future sind das wache Menschen, die sich für etwas einsetzen. Auch im Sport, wo Menschen im Team etwas erreichen wollen. Menschen, die innovativ sind und an Lösungen für die Zukunft arbeiten, egal ob in Technik, Wirtschaft oder Gesundheitswesen: Das alles sind wache Menschen.

Welche Kooperationen helfen mir, am „wach“ teilzuhaben und beizutragen?

Das kann man gar nicht so konkret benennen. Ich glaube, dass wache Menschen, die für sich selbst eine Entscheidung getroffen haben, eben wach zu sein im Modus der Liebe oder der Barmherzigkeit, zueinander finden. Wache Menschen begegnen einander. Wenn sich diese Menschen treffen und gemeinsam etwas für die Zukunft, für Menschen in Not machen, wird man selbst auch bestärkt in seiner Entscheidung in und für Liebe wach zu sein.

Jeder, der sich mit den Themenfeldern einfach – gemeinsam – wach auseinandersetzen möchte, findet auf der WEG-Seite der Ordensgemeinschaften Österreich die anregenden Fragen dazu.

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